Marielle Bohm, Trainerin der deutschen U-19-Handballjuniorinnen, spricht im MZ-Interview über die EM-Quali in Regensburg.

Frau Bohm, am Wochenende haben Sie beim stark besetzten Vier-Länder-Turnier Portugal, Spanien und Frankreich jeweils souverän geschlagen. Wie bewerten Sie die Generalprobe für die EM-Qualifikation in Regensburg?

Marielle Bohm: Das Fazit fällt sehr positiv aus. Wir wussten ja nicht, wo wir stehen, denn wir hatten die Mädels in dieser Konstellation ja noch bei keinem Länderspiel zusammen. Deswegen sin die drei Siege umso erfreulicher. Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert. Die Mannschaft ist gewillt, das im Training Erarbeitete umzusetzen. Die Mädels haben schönen Handball gezeigt und sehr diszipliniert gespielt.

Was sind die Stärken der Mannschaft?

Unser riesiges Plus ist der breite Kader. Alle Spielerinnen konnten sich einbringen. Das war sehr schön, denn das war nicht unbedingt so zu erwarten. Jede Spielerin hat nun das Gefühl, ein wichtiger Teil zu sein und etwas zum Erfolg beitragen zu können.

Ihr hattet Euch für das Vorbereitungsturnier drei namhafte Nationen ausgesucht, die unterschiedlichen Handball spielen. Trotzdem konntet Ihr mit der neu zusammengestellten Mannschaft in jedem Spiel offensiv überzeugen.

Ja, das war uns wichtig. Portugal und Spanien verfügen über agile Spielerinnen und haben mit offensiven Abwehrformationen gedeckt. Da gibt es naturgemäß mehr Räume. Frankreich war uns körperlich überlegen und hat uns mit ihrer 6:0-Deckung vor eine echte Aufgabe gestellt. Die Mädels haben unsere Abwehr- und Angriffsphilosophie haben gut umgesetzt, eine große Spielfreude gezeigt und das beim deutlichen 28:20 sehr gut gelöst.

Apropos Deckung, auf welche Formationen setzen Sie?

Wir haben uns auf die 6:0-Deckung festgelegt. Die kann man sehr flexibel umsetzen, das lässt uns je nach Gegner alle Möglichkeiten. Da waren wir insgesamt auch sehr stabil. Gegen Spanien haben wir auch eine 5:1-Variante geübt.

Seit Montag bereitet Ihr Euch in Regensburg vor. Was sind die Trainingsschwerpunkte?

Mein Co-Trainer Jens Pfänder und ich haben ein sehr abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt, am Montagabend sind wir beispielsweise mit einer Crossfit-Einheit gestartet. Es steht auch Teambuilding auf dem Programm. In Sachen Handball wollen wir weiter am Feinschliff arbeiten. Hier geht es um Kleinigkeiten: Wir wollen die im Handball so wichtigen Automatismen – beispielsweise durch Kleingruppentraining – verbessern. Dazu sind Trainingswiederholungen nötig. Die Grundvorstellung, was wir spielen, soll von der Mannschaft noch weiter verinnerlicht werden.

Wie bereitet Ihr Euch auf die Gegner vor?

Von Lettland habe ich bislang noch nichts sehen können. Das ist aber eine Mannschaft, die wir einfach schlagen müssen. Deswegen richten wir den Fokus einzig auf uns selbst. Polen ist wahrscheinlich eine andere Hausnummer. Von denen haben wir ein Video und auch den Vorteil, dass wir uns sie am Samstag in der Halle live anschauen können. Eine Quali hat aber ihren eigenen Charakter. Ein K.o.-Spiel kennt unsere Mannschaft in dieser Zusammensetzung noch nicht, deshalb ist das natürlich auch eine Gefahr.

Deutschland hat den besten Spielplan und natürlich auch den Heimvorteil. Wie ist die Zielsetzung?

Wir tun gut daran, unsere eigenen Stärken in den Vordergrund zu stellen und nicht zu sehr auf den Gegner zu schauen. Natürlich bereiten wir uns trotzdem intensiv auf den jeweiligen Gegner vor. Wir wollen – auch mit der Unterstützung der Zuschauer – beide Spiele gewinnen und das Selbstvertrauen von dem Vier-Länder-Turnier mit in die EM-Quali nehmen. Regensburg war ja schon 2015 ein gutes Pflaster für uns und ich bin sehr zuversichtlich, dass es auch diesmal so sein wird.

Das Interview führte Robert Torunsky

Fotocredit: Sven Drese/DHB